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„Wer als Unternehmer ein Problem beim Generationenwechsel hat, ist selbst schuld“

Interview mit Wolfgang Grupp

Trigema (Trigema)

Erfolg vererben: Wolfgang Grupp, Chef des Textilherstellers Trigema, über seine Vorbildfunktion als Vater, Herausforderungen für die nächste Generation – und warum er noch nicht so ganz aufhören kann.

Für etliche Familienunternehmer ist die passende Nachfolge ein Problem. Auch bei Trigema wirkt vieles wie eine auf Sie zugeschnittene One-Man-Show. Wie bereiten Sie den Wechsel vor?

Ganz ehrlich: Wer als Unternehmer ein Problem beim Generationenwechsel hat, ist selbst schuld. Solche Schwierigkeiten kann es nicht geben, wenn die Eltern ihrer Vorbildfunktion gerecht werden. Wenn meine Tochter oder mein Sohn mein Lebenswerk nicht weiterführen wollen, ist etwas schief gelaufen. Ich habe immer versucht, meinen Kindern ein positives Berufsbild vorzuleben – und deshalb ist es ganz natürlich, dass meine Kinder stolz auf unser Familienunternehmen sind. Deshalb war es auch keine Frage, dass die beiden nach dem Studium bei Trigema eingestiegen sind.

Direkt in die Führungsetage?

Nein, sie sofort auf höhere Posten zu setzen, nur weil sie meine Kinder sind, wäre fatal gewesen. Ich habe Ihnen damals keine neuen Positionen geschaffen. Meine Tochter ist auf der Stufe eines ehemaligen Lehrlings im E-Commerce-Bereich gestartet – und hat sich dort mittlerweile zur Führungskraft hochgearbeitet. Das gleiche gilt für meinen Sohn, der in Einkauf und Verkauf tätig ist. Sie haben sich ihre jetzigen Positionen durch Leistung selbst erarbeitet. So hatten die beiden im Unternehmen auch nie ein Problem, von den anderen Mitarbeitern und Vorgesetzten akzeptiert zu werden. Jeder weiß, was sie können.

Vor welchen besonderen Herausforderungen steht Ihr Unternehmen beim Generationenwechsel?

Wir sind in einer Branche tätig, die in einem verhältnismäßigen Hochlohnland wie Deutschland quasi ausgestorben ist. Das ist natürlich eine besondere Herausforderung – auch für meine Kinder, die hoffentlich auch künftig meinem Vorbild folgen, und zeigen, dass man auch in Deutschland textile Produkte produzieren kann. Es ist fast ein Verbrechen an den deutschen Arbeitskräften, wenn beispielsweise ein Polohemd zum Preis von 100 Euro hierzulande nicht mehr produziert werden kann. Deshalb empfinde ich es als meine Verantwortung unseren Mitarbeitern gegenüber, unsere Standorte langfristig zu sichern.

Wenn Ihre Kinder komplett das Steuer übernehmen sollen, dürfen Sie auch Dinge anders machen?

Meine Kinder MÜSSEN die Dinge anders machen – und zwar permanent. Als Unternehmenslenker müssen sie später – genau wie ich in den vergangenen Jahrzehnten – stets den Wandel der Zeit erkennen und Dinge verändern, auch wenn sie gerade noch gut laufen. Nur so bleiben wir fit für die Zukunft. Generell werden meine Kinder irgendwann die komplette Verantwortung für Trigema übernehmen – und dann liegt es in ihren Händen, ob sie die Firma in meinem Sinne fortführen oder sie in den Ruin treiben.

Sie sind 74 Jahre alt. Andere legen dann die Füße hoch und genießen den Ruhestand. Warum wirken Sie dennoch so unruhig – haben Sie Angst vor Freizeit?

Ganz und gar nicht. Aber das Schönste im Leben ist doch das Gefühl, gebraucht zu werden. Und das habe ich derzeit noch sehr stark. Solange meine Meinung in der Firma gefragt ist, spielt Alter keine Rolle. Solange ich gesund und fit bin: Warum sollte ich mich einfach nur aus Prinzip zurückziehen, nur weil ich ein gewisses Alter erreicht habe? Mal abgesehen davon: Ich gönne mir ja mittlerweile auch Freiheiten – und mal einen längeren Urlaub. Meine Firma ist so organisiert, dass sie auch locker mal drei Wochen ohne mich laufen kann…